Wer Malerarbeiten beauftragt, holt sich in der Regel zwei oder drei Angebote von unterschiedlichen Firmen ein. Das ist sinnvoll und absolut legitim. In der Praxis zeigt sich jedoch immer wieder:
Viele Angebote lassen sich nur schwer vergleichen – und die meisten Kunden wissen nicht, warum.
Der Blick fällt fast automatisch auf den Endpreis. Doch genau hier liegt das Problem. Denn der Preis allein sagt wenig darüber aus, was tatsächlich geleistet wird, welche Qualität dahintersteckt und welche Kosten langfristig entstehen können.
Warum Angebote oft nicht vergleichbar sind
Auf den ersten Blick wirken viele Angebote ähnlich. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich jedoch große Unterschiede – nicht nur im Preis, sondern vor allem im Leistungsumfang.
Unterschiede entstehen unter anderem durch:
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verschiedene Materialien und Hersteller
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unterschiedliche Vorarbeiten
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Anzahl der Arbeitsgänge
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Qualität der Produkte
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Art der Kalkulation
Was in einem Angebot fehlt, wird entweder nicht ausgeführt oder später zusätzlich berechnet. Genau das macht den Vergleich schwierig.
Worauf Kunden beim Angebotsvergleich achten sollten
1. Leistungsumfang genau prüfen
Ein Angebot sollte klar beschreiben:
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welche Flächen bearbeitet werden
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welche Vorarbeiten enthalten sind
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wie viele Anstriche oder Beschichtungen vorgesehen sind
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ob Abdeck-, Schutz- und Reinigungsarbeiten enthalten sind
Je genauer ein Angebot formuliert ist, desto geringer ist das Risiko späterer Überraschungen.
2. Materialien nicht nur namentlich vergleichen
Nicht jede Farbe ist gleich – auch wenn sie optisch ähnlich wirkt. Entscheidend sind unter anderem:
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Deckkraft
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Abriebfestigkeit
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Diffusionsfähigkeit
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Haltbarkeit
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gesundheitliche und ökologische Eigenschaften
Ein Angebot, in dem lediglich „Dispersionsfarbe weiß“ steht, lässt kaum Rückschlüsse auf die tatsächliche Qualität zu.
3. Hersteller und Produktsysteme berücksichtigen
Markenhersteller arbeiten mit aufeinander abgestimmten Systemen aus Grundierung und Beschichtung. Diese Systeme sorgen für:
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bessere Haftung
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längere Lebensdauer
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geringeres Schadensrisiko
Ein günstiger Preis kann entstehen, wenn auf solche Systeme verzichtet wird – mit möglichen Folgen nach wenigen Jahren.
4. Qualifikation und Verantwortung des Betriebs
Beim Vergleich sollte auch der Betrieb selbst betrachtet werden:
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Meisterbetrieb oder nicht
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Eintrag in der Handwerksrolle
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Betriebshaftpflichtversicherung
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klare Regelung der Gewährleistung
Ein Angebot ist nur so gut wie der Betrieb, der dahintersteht und später auch Verantwortung übernimmt.
5. Der Standort der Firma spielt eine Rolle
Unterschiedliche Standorte bedeuten:
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unterschiedliche Gewerbesteuer-Hebesätze
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verschiedene Kostenstrukturen
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unterschiedliche Anfahrts- und Rüstzeiten
Ein auswärtiger Anbieter kann auf dem Papier günstiger erscheinen, ist im Fall von Nacharbeiten oder Gewährleistungsfragen jedoch oft schwerer erreichbar.
6. Pauschalpreis oder nach Aufwand?
Ein Pauschalangebot bietet Planungssicherheit.
Angebote „nach Aufwand“ können günstiger wirken, bergen jedoch das Risiko steigender Kosten, wenn unvorhergesehene Arbeiten hinzukommen.
Je klarer die Preisstruktur, desto besser lässt sich ein Angebot einschätzen.
Preis heute vs. Kosten über Jahre
Ein sinnvoller Vergleich betrachtet nicht nur den Moment der Ausführung, sondern die Zeit danach:
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Wie lange hält die Beschichtung?
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Wann ist der nächste Renovierungsbedarf?
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Wie hoch ist das Risiko von Nacharbeiten?
Ein etwas höherer Preis kann sich langfristig als wirtschaftlicher erweisen.
Fazit
Angebote lassen sich nur dann fair vergleichen, wenn sie inhaltlich und technisch gleichwertig sind. Der günstigste Preis ist nicht automatisch das beste Angebot – oft ist er lediglich das unvollständigste.
Wer versteht, was im Angebot steckt, trifft am Ende die bessere Entscheidung.
Qualität, Transparenz und eine saubere Ausführung zahlen sich nicht nur optisch aus, sondern auch wirtschaftlich.
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